Die Räumlichkeiten

Die Räumlichkeiten stellen auf den ersten Blick ein sehr oberflächliches Kriterium für eine gute Ballettschule dar. Auch hier gilt Klasse statt Masse, jedoch können Sie anhand von bestimmten Kriterien sehr schnell erkennen, ob der Leiter der Schule Ahnung von seinem Metier hat ...oder nicht.

Das Wichtigste Utensil für einen Tänzer...

...ist der Boden! Ob bei Aufnahmeprüfungen, Vortanzen am Theater oder Gastspielen: ein Tänzer prüft zunächst einmal die Bodenbeschaffenheit, wenn er in einer neuen Umgebung tanzt. Ist der Boden zu stumpf oder zu glatt? Läuft man Gefahr auszurutschen oder bleibt man schier kleben? Tänzer haben so ihre eigenen Methoden entwickelt, bei Bedarf nachzuhelfen. Früher genügte beim alten Holzboden ein wenig Zuckerwasser oder es wurde zum Kolophonium gegriffen. Heutzutage sind alle staatlichen Ballettschulen und Theater mit einem speziellen Tanz-PVC – so genanntem "Tanzteppich" – ausgerüstet. Achtung: Tanzteppich hat selbstverständlich nichts mit Ihrem Wohnzimmerteppich oder dem Industrieteppichboden in Ihrem Büro zu tun. Ein Tanzteppich besteht aus PVC (z.B. Harlequin Floors ).
Die Farbe und Marke des Bodens kann dabei selbstverständlich variieren. Meist wird für Aufführungen ein schwarzer Bodenbelag ausgewählt, da er sich aus optischen Gründen besonders für das Theater eignet. In der Tanzmedizin beschäftigt man sich schon seit geraumer Zeit mit Tanzboden und hat dabei festgestellt, dass Tänzer bei einem hellen Boden Abstände z. B. bei Sprüngen besser einschätzen können, weshalb sich diese Farbe häufig in Ballettsälen finden lässt.
Der richtige Tanz-PVC ist eine Wissenschaft für sich und für Step- oder Flamenco empfiehlt sich häufig spezieller Boden allein schon der Akustik wegen. Stellen Sie sich einmal Flamenco oder Step mit all seinen raffinierten Fußrhythmen auf ungeeignetem Boden vor, undenkbar! Bei Standard-/ Latein-Tanz oder aber z.B. Hip Hop, welches in Turnschuhen getanzt wird, empfiehlt sich wiederum ein anderer Bodenbelag, denn PVC wäre zu stumpf. Meist ist hier Parkettboden, der allerdings für Ballett viel zu glatt wäre, verlegt. Doch nicht nur ein glatter Boden birgt Risiken! Bei zu stumpfem Boden bleibt der Tänzer kleben, wodurch es zu bösen Verletzungen wie Bänderrissen oder herausrutschenden Kniescheiben etc. kommen kann. Der Tänzer hat mit viel zu viel Widerstand zu kämpfen, um Schwung für eine Bewegung zu erhalten. Tanzt er dann einmal aus gegebenen Anlass auf "richtigem" Bodenbelag, erscheint ihm dies wie die reinste Rutschpartie. Ein weiterer Nachteil des zu stumpfen Bodens: der Schüler erschummelt sich seine Auswärtsdrehung aus dem Hüftgelenk. In Klassischem Tanz strebt man nach einer perfekten Auswärtsdrehung der Beine, die anatomisch von Mensch zu Mensch verschieden ist. Ist ein Schüler besonders ehrgeizig und achtet der Lehrer nicht auf eine korrekte Ausdrehung aus dem Hüftgelenk, hilft klebriger stumpfer Boden dem Schüler beim Schummeln ungemein, denn seine Füße bleiben schön auf dem ungeeigneten Boden kleben und der Muskelapparat bleibt passiv, was einer Fehlbelastung gleichkommt und schädlich ist. Eine ähnliche Vorsicht ist geboten, wenn z. B. Moderner Tanz (oft barfuß) auf zu stumpfem oder zu glattem Boden getanzt wird. Fatal und gefährlich, denn auf stumpfem Boden bleiben Zehen schnell einmal kleben und bei Fällen kann es zu Schürfwunden oder kleinen Verbrennungen kommen, da ein Gleiten auf dem Boden nicht möglich ist.
Nun was aber verbirgt sich unter diesem Tanz-PVC? Etwa Beton? Eine fürchterliche Vorstellung für die Gelenke von Schülern und Lehrkräften. Zwar ist kein extrem nachgiebiger Boden wie in einer Turnhalle vonnöten, jedoch sollte sich unter dem Tanzteppich ein so genannter Schwingboden befinden. Manche Gebäude verfügen über alten Holzboden, der unter Umständen herrlich schwingen kann, jedoch ist bei den meisten Neubauten das Verlegen eines Schwingbodens unumgänglich. Es sei denn...man kümmert sich nicht groß um die Gesundheit der Tanzenden und will Geld sparen. Schienbeinüberlastungen, Sprunggelenkprobleme, Knieschmerzen und Rückenbeschwerden zählen zu den häufigsten Auswirkungen von zu hartem Boden. Zugegeben, ein professioneller Tanz-PVC und Schwingboden kostet den Ballettschulinhaber eine Kleinigkeit, jedoch sind diese Investitionen – der Gesundheit zu Liebe – nicht zu scheuen. Fazit: werfen Sie einen Blick auf den Ballettsaalboden! Was finden Sie vor: etwa Laminat aus dem Baumarkt nebenan oder gar etwas völlig Unmögliches? Dann geht die Ballettschulsuche weiter.

Klein aber fein?

Wir haben bereits erfahren, dass ein Ballettsaal nicht an unser heimisches Wohnzimmer erinnern sollte, dies bezieht sich natürlich auch auf die Saalgröße und Gestaltung. Ob der Raum nun 200m² oder 100m² misst, spricht nicht für die Unterrichtsqualität, jedoch sollte eine große lange Diagonale möglich sein und der Raum keine Maße wie ein Schlauch aufweisen. Zur Orientierung: etwa 100m² sind für einen Ballettsaal, in dem auch fortgeschrittene Schüler tanzen, absolut üblich. Nicht zu große Säle eignen sich z. B. gut für die kleinsten Schüler, denn es ist von Vorteil wenn die Lehrkraft schnell und nah bei ihren Schülern sein kann. Die Deckenhöhe ist ganz besonders für fortgeschrittene Schüler von großer Wichtigkeit. Selbst wenn die Schüler keine 2m hochspringen, haben sie doch unterbewusst automatisch eine Hemmschwelle beim Springen, wenn die Decken niedrig sind. Es versteht sich von selbst, dass auch gerade Hebungen beim pas de deux dann nicht möglich sind.
Ansonsten sollte die Gestaltung des Ballettsaals schlicht sein. In den übrigen Räumen der Schule dürfen nach Herzenslust Dekoration und Bilder hängen, in einem professionellen Ballettsaal werden Sie jedoch vergebens danach suchen. Warum? Es würde die Schüler ständig ablenken. Der Ballettsaal wird durch die Tanzenden gefüllt – ähnlich wie ein weißes Blatt Papier – und bedarf keiner bunten Verzierungen oder Wandmalereien. Hohe Konzentration und Arbeit stehen hier im Vordergrund. Neben dem richtigen Boden dürfen natürlich stabile Stangen in unterschiedlichen Höhen und eine Spiegelwand nicht fehlen. Die Verspiegelung dient der Selbstkorrektur und ist auch für den Lehrer manchmal eine nicht zu unterschätzende Hilfe, wenn er die Schüler bei seinen Demonstrationen trotzdem im Blick haben kann. Bei den Stangen ist vor allem der Abstand zur Wand von großer Wichtigkeit. Sind die Stangen zu nah an der Wand montiert, kann ein Schüler unmöglich sein Bein nach vorne strecken (battement tendu). Denn wenn er – wie es gerade bei Anfängern lange Zeit der Fall ist – die Stange mit beiden Händen fasst (Gesicht zur Stange steht), stößt er mit dem Fuß sofort an die Wand. In diesem Fall: Fehlkonstruktion!

Der Rest der Räumlichkeiten

Was selbstverständlich nicht fehlen darf: geeignete Umkleidemöglichkeiten und sanitäre Anlagen. Insgesamt sollte Ihnen die Schule ein hygienisch einwandfreies Bild liefern. Sind ein Aufenthaltsraum, Duschen oder ein ruhiger Raum zum Erledigen von Hausaufgaben vorhanden, wunderbar! Jedoch ist die Gestaltung des Ballettsaals von größter Bedeutung und nicht etwa die Anzahl der Parkmöglichkeiten, auch wenn diese – verständlicherweise für Sie als Eltern – schnell als Kriterium herangezogen werden.

Ein Pianist als Qualitätsmerkmal an einer privaten Schule?

Leider nein, obwohl zweifelsohne ein Pianist den Unterricht enorm bereichern kann! Lässt man im Unterricht einfach einen Pianisten, der nicht vom Ballettfach stammt, etwas "Schönes" spielen, was aber leider die Bewegungen überhaupt nicht unterstützt und begleitet, ist jede Ballettunterrichts-CD vorzuziehen. Ein guter Pianist, der genaue Kenntnisse über Ballettschritte vorzuweisen hat, ist selten zu finden und ein wahrer Luxus für jeden Ballettlehrer! Es bedeutet wesentlich weniger Unterrichts- Vorbereitungszeit für einen Ballettpädagogen, wenn ihm tagtäglich ein qualifizierter Ballettbegleiter zur Verfügung steht. So manch eine private Ballettschule versucht Pianisten "anzulernen", was jedoch sehr viel Zeit und Mühe in Anspruch nimmt (zum Vergleich: in manchen Ländern ist der Beruf des Ballettpianisten lediglich mit einem Aufbaustudiengang möglich. Diese Pianisten kennen die Bedürfnisse eines Ballettunterrichts genau und können sofort etwas mit einem Begriff wie plié oder battement frappé anfangen und werden dementsprechend spielen). Viele private Ballettschulen können sich zudem keinen Pianisten leisten, da dieser für seine Arbeit ja auch angemessen honoriert werden sollte. Fazit: leider kein Qualitätskriterium.
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