Die Lehrkraft

Ausbildung

In Deutschland gibt es keinen Berufsschutz für Tanzpädagogen, sprich jeder darf sich Ballettlehrer schimpfen und damit Geld verdienen. In anderen Ländern ist man in dieser Hinsicht schon weiter fortgeschritten. Einige Anhaltspunkte können Ihnen jedoch helfen, sich nicht so einfach mit angeblichen "Diplomen" hinters Licht führen zu lassen.
Es ist von Vorteil, wenn die Lehrkraft eine professionelle Tanzausbildung (8 Jahre) an einer staatlichen Institution abgeschlossen hat. Staatliche Schulen sind in Deutschland Berufsfachschulen oder Hochschulen: John Cranko-Schule Stuttgart, Ballettakademie der Hochschule München / Heinz Bosl-Stiftung, Akademie des Tanzes / Hochschule Mannheim, Staatliche Ballettschule Berlin, Palucca Schule Dresden / Hochschule für Tanz, John Neumeier Schule Hamburg, Ballettschule der Oper Leipzig (mittlerweile geschlossen). Dann existieren noch modernere Studiengänge wie die der Hochschule für Musik und Tanz Köln (früher war diese Hochschule sehr klassisch orientiert), der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a. M. und der Folkwang Hochschule Essen. Auch für diese Studiengänge ist eine fundierte klassische Balletttechnik erforderlich. Als nächstes ist es von Vorteil, wenn die Lehrkraft über professionelle Bühnenerfahrung verfügt. Zwar ist die Dauer und Intensität nicht unbedingt ausschlaggebend für einen guten Unterricht (siehe "Wie viel macht der Lehrer vor"), jedoch ist es von Wichtigkeit, dass die betreffende Lehrkraft selbst erlebt hat, wie es ist auf der Bühne zu stehen (Tingel Tangel Getanze kann auf dem Papier in einem CV sehr beeindruckend "aufgemöbelt" sein, daher Vorsicht!). Als letzter und wichtigster Punkt folgt dann eine Ausbildung / ein Studium in Tanzpädagogik (2-4 Jahre), in dem man sich auf das Vermitteln konzentriert und nicht nebenbei noch tanzen lernt (Letzteres sollte man bereits beherrschen). Denn wie wir schon erfahren haben, Tanzen und Tanz lehren sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Auch zum Unterrichten von Hobby-Schülern kann die pädagogische Ausbildung eines Tänzers gar nicht professionell genug sein! Nicht nur methodisch didaktische Kenntnisse sind erforderlich; eine Lehrkraft sollte sich mit Anatomie, Bewegungs- und Gesundheitslehre, pädagogischer Psychologie sowie den geistigen und körperlichen Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen, Choreographie u.v.m auskennen!
Hochschulen in Deutschland, die Bachelor- und Masterstudiengänge für Tanzpädagogik anbieten: Akademie des Tanzes Mannheim / Hochschule, Palucca Schule Dresden / Hochschule, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a. M., Hochschule für Musik und Tanz Köln, Folkwang Hochschule Essen. Allerdings unterscheiden sich hier in den meisten Fällen die Zulassungsvoraussetzungen: für die Masterstudiengänge ist professionelle Bühnenerfahrungen erforderlich, während man in den Bachelor-Studiengängen für Laientanz ausbildet.
Natürlich gibt es auch immer wieder studierte Lehrkräfte mit herausragendem CV, die im Laufe ihrer Unterrichtstätigkeit abbauen und die Qualität leider nachlässt. Daher spielen Fortbildungen stets eine große Rolle, denn sie helfen Pädagogen auf dem neusten Stand zu bleiben, Selbstreflexion anzuwenden und frische Ideen und Anregungen zu sammeln. Und nicht zu vergessen: es gibt auch Ausnahmen! Hervorragende Ballettpädagogen, die über wenig bis keine Bühnenerfahrung verfügen, die sich dann jedoch sehr intensiv mit Ballettpädagogik auseinandergesetzt haben und wiederum Pädagogen mit vielversprechenden Abschlüssen, von denen man jedoch im Unterricht nichts erkennt und sich die Frage stellt, wie sie ihren Abschluss auch nur erhalten konnten.

Praxis / Referenzen

Als nächstes stellt sich die Frage: hat die Lehrkraft bereits Erfahrungen im Unterrichten? Wenn ja wo? An einer staatlichen / professionell ausbildenden Schule, an einer guten privaten Schule? Wenn die Lehrkraft schon mehrere Jahre unterrichtet, empfiehlt es sich, Informationen bzw. Referenzen einzuholen. Haben bereits Schüler Aufnahmeprüfungen an staatlichen Ballettschulen erfolgreich bestanden, wie schneiden die Schüler z. B. bei Wettbewerben ab? (Wettbewerbe sind zwar kein Muss, jedoch ein kleiner Anhaltspunkt). Wenn Schüler es tatsächlich geschafft haben, an eine staatliche Schule zu wechseln, ist hierbei interessant, in welchem Alter dies erreicht wurde. Bei Aufnahmeprüfungen für 10-11jährige zählen fast ausschließlich die körperlichen Voraussetzungen des Kindes, das heißt der bisherige Unterricht nimmt nur wenig Einfluss. Ab der 5./ 6. Schulklasse müssen Bewerber für staatliche Schulen jedoch schon über eine saubere Grundtechnik verfügen, die sie im besten Fall an ihrer alten privaten Ballettschule erlernt haben...oder leider auch nicht. Besteht also ein älterer Schüler eine Aufnahmeprüfung, ist dies eine hohe Auszeichnung für eine private Ballettschule. Es verdeutlicht, dass das Niveau des Unterrichts den Schüler auf einen derart hohen Leistungsstand gebracht hat, dass er in eine bestehende Klasse an einer professionellen staatlichen Schule eingegliedert werden kann.

Der Lehrer, der scheinbar alles kann

Wie in jedem guten Restaurant sagt die Anzahl der angebotenen Gerichte auf der Speisekarte leider nichts über deren Qualität aus. Genauso verhält es sich mit Lehrern, die anscheinend alles unterrichten können. Bei Ballettlehrern, die neben Klassischem Tanz noch Orientalischen Tanz, Step, Hip Hop, Musical, Jazz, Modern, Yoga, Pilates, Irischen Tanz, Flamenco usw. unterrichten können, sollten Sie misstrauisch werden. Eine gute und qualifizierte Lehrkraft für Flamenco oder Yoga würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn lediglich selbst einmal einen Wochenend-Workshop in solch einem Fach belegt oder sich ein Pilates-Buch vorgeknöpft zu haben, reichen alles andere als aus, um diese Stilrichtungen dann auch kompetent zu unterrichten. Ein guter Ballettpädagoge hat sich zwar praktisch wie theoretisch mit anderen Stilrichtungen auseinandergesetzt und unterrichtet möglicherweise noch ein bis zwei Zusatzfächer, jedoch wird er für andere Tanzrichtungen Experten engagieren, die sich besonders mit einem bestimmten Tanzstil auskennen. Generell bestätigt sich meist: je mehr unterschiedliche Fächer der Ballettlehrer selbst unterrichtet, desto weniger beherrscht er diese wirklich. Wenn ihr Kind also unbedingt noch andere Stilrichtungen ausprobieren möchte, gerne! Aber dann doch Ihnen und Ihrem Kind zuliebe bei einer ebenfalls qualifizierten Lehrkraft.
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