Der erste Eindruck

Den ersten Kontakt mit einer potentiellen Ballettschule für Ihr Kind werden Sie höchstwahrscheinlich bei einer Probestunde haben. Diese wird in der Regel von Schulen kostenfrei angeboten.

Dürfen Eltern zuschauen?

Bei sehr kleinen Kindern (das Einstiegsalter für Ballettvorschulunterricht variiert von Schule zu Schule: ab drei, vier oder fünf Jahren) kann dies unter Umständen erlaubt sein, jedoch raten die meisten Pädagogen davon ab, da Zuschauer die Kinder zu stark ablenken und ein effizienter Unterricht somit nicht möglich ist. Stellen Sie sich vor, da würden jede Stunde verschiedene Eltern zuschauen. Allerdings sollte die Schule den Eltern andere Möglichkeiten anbieten, dem Unterricht einmal beizuwohnen: z.B. eine Zuschauerstunde für alle Eltern oder ein Tag der offenen Tür, denn Eltern sollten sich einen Eindruck über die Fortschritte ihres Kindes machen können. Doch selbst wenn Sie bei besagtem Probeunterricht nicht gleich zuschauen dürfen, können Sie bereits bei dieser Gelegenheit vieles beobachten, was Anhaltspunkte über die Qualität der betreffenden Schule liefert!

Herrscht vor dem Unterricht Chaos im Saal, toben die Kinder wild herum?

Oder aber erscheinen Ihnen ausnahmslos alle Kinder ängstlich? Natürlich gibt es immer das ein oder andere Kind, welches auffällt, jedoch sollte dies niemals die gesamte Klasse betreffen. Kleinere Kinder können schon lernen, relativ ruhig zu bleiben und ältere Schüler sollten vom Pädagogen dazu erzogen sein, sich vor Unterrichtsbeginn selbständig aufzuwärmen.

Wie viele Kinder befinden sich in einer Klasse?

Ein sehr deutliches Merkmal: mehr als ca. 12 Kinder in einer Klasse können in der Regel im Unterricht nicht korrigiert und gefördert werden. Tummeln sich da 16,17,18 oder gar nahezu 20 Schüler, können Sie davon ausgehen: hier stehen die Einnahmen, also das liebe Geld im Vordergrund.

Tragen die Schüler einheitliche Kleidung, sind sie ordentlich frisiert?


ordentlicher Dutt
einheitliche schlichte Trikots
so oder so
offene Haare
jeder trägt, was er will
Fest steht: weder Röckchen, Stulpen noch Schmuck jeder Art (das höchste der Gefühle sind Ohrstecker und auch die sind nicht bei jedem Lehrer gerne gesehen) sollten im Unterricht erlaubt sein. Alle guten Schulen schreiben zudem eine Kleiderordnung vor und so manch eine Schule verbittet auch Unterhemden und -hosen unter den Trikots bzw. Strumpfhosen. Der Grund: herausschauende oder sich unter dem Trikot abzeichnende Unterhosen können ziemlich verheerend aussehen. Und mal ganz nebenbei: unter Badeanzügen trägt man ja schließlich auch keine Unterwäsche.

Lernen die Kinder wirklich etwas?

Ganz gleich ab wann der Ballettvorschulunterricht beginnt, es sollte in der Tat etwas gelernt werden und das Beste daran: Lernen macht Kindern Spaß! Besteht der Unterricht lediglich aus Spielen und wildem Rumgehopse, wird da überhaupt keinen Wert darauf gelegt, dass Schritte präzise oder im Takt ausgeführt werden? Dann können Sie sicher sein: hier macht der "Pädagoge" irgendetwas, aber dafür sollte Ihnen Ihr Geldbeutel dann doch zu schade sein. Sparen Sie sich Ihr Geld! Natürlich sollten gerade kleine Kinder nicht schon stundenlang an der Stange stehen (mit einem richtigen Stangentraining wird ein vernünftiger Pädagoge ohnehin erst mit ca. 8-jährigen beginnen), jedoch sollte Ihr Kind Ihnen nach einem Probeunterricht begeistert erzählen und vormachen können, was da alles Spannendes gelernt wurde.

Ein neues Kind kommt in die Klasse, geht man im Stoff zurück?

Dies sollte keinesfalls passieren, denn der Rest der Klasse – unter Umständen Ihr eigenes Kind – kommt nicht mehr weiter. Sollte ein neues Kind zu großen Nachholbedarf haben, wird ein guter Pädagoge, der alle seine Schüler fördern will, das Kind in eine tiefere Klasse setzen.

Wird korrigiert?

Der Schlüssel zu Fortschritten der Schüler sind ganz besonders die Korrekturen des Lehrers! Je treffender und hilfreicher die Korrekturen, desto besser ist der Lehrer...und desto besser werden die Schüler eines Tages sein! Ansonsten sind keine Fortschritte der Schüler zu erwarten. Und ohne Erfolgserlebnisse – das heißt, etwas Schwieriges nach langem Bemühen erreicht zu haben – wird Ihrem Kind das Tanzen früher oder später keine Freude mehr machen! Korrigiert ein Lehrer überhaupt nicht, ist dies ein sicheres Zeichen: der Lehrer hat entweder keine Kenntnisse oder er hat keine Lust! Und wieder einmal: ihn interessiert wohl eher der Monatsbeitrag, den Sie leisten. Korrekturen sollten ständig erfolgen, denn gerade Anfänger spüren ihre eigenen Fehler noch nicht. Ein weiterer wichtiger Punkt: Werden alle Schüler korrigiert oder herrscht Starkult? Wird immer nur ein Schüler besonders korrigiert oder gelobt, schert sich der Lehrer wahrscheinlich nicht um den Rest der Klasse und schenkt ihm wenig bis keine Aufmerksamkeit. Kein gutes Zeichen!

Wie lange dauert der Unterricht?

Für Ballettvorschulkinder variiert die Dauer des Unterrichts zwischen 45min und einer Stunde. Ab einem gewissen Alter reichen jedoch 60min nicht mehr aus um eine "richtige" Ballettstunde durchzuführen. Eine Unterrichtseinheit in Klassischen Ballett dauert in der Regel 90min und besteht aus Übungen an der Stange (bei Anfängern werden diese ca. 45min in Anspruch nehmen, bei fortgeschrittenen Schülern ca. eine halbe Stunde), Übungen in der Mitte des Saals und Sprüngen. Dieses Pensum ist bei 60min nie und nimmer zu schaffen. Bedauerlicherweise bieten zahlreiche Schulen lediglich 60min- Kurse an. Auch dies ist wieder einmal ein deutliches Indiz: 60min- Kurse sparen Zeit, das heißt, die Schule kann deutlich mehr Klassen anbieten, wodurch mehr Schüler zahlen und die Schule verdient! Der schlimmste Fall: in diesen 60min wird obendrein noch Spitzentanz unterrichtet! Für gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Pädagogen undenkbar!!!

Wie viel macht der Lehrer vor?

Nutzt er die Stunde um sich zu profilieren oder gar selbst fit zu halten? Wirft er überhaupt vor lauter Tanzen einen Blick auf seine Schüler? Sicherlich sollte ein Pädagoge in der Lage sein, seinen Schülern zu demonstrieren, was er von ihnen verlangt und es sollte ebenfalls erkennbar sein, dass der Lehrer präzise und korrekt vormacht. Natürlich ist es auch schön, wenn der Lehrer seine Schüler durch eigene Demonstrationen motiviert, jedoch liegt seine Hauptaufgabe im Vermitteln! Er soll aus seinen Schülern die bestmögliche Leistung herauskitzeln (siehe oben "Korrekturen"). Verbringt ein Lehrer die ganze Stunde damit "vorzutanzen", ist das leider eine einzige Show, die vermuten lässt, dass der Pädagoge noch nicht innerlich mit seiner Tanzkarriere abgeschlossen hat. Lehren bzw. Vermitteln scheinen ihn wohl nicht zu interessieren. Es gibt übrigens auch Lehrer, die es nicht ertragen können, wenn ein Schüler besser tanzt als sie es je konnten. Ganz verkehrt! Ein guter Pädagoge setzt es sich zum Ziel, dass seine Schüler eines Tages besser tanzen als er.
Dabei zu beachten ist, dass ältere Ex-Tänzer mit Sicherheit nicht mehr derart in Form sind, wie sie es während ihrer aktiven Tanzkarriere einmal waren. Mit zunehmenden Alter spielen natürlich auch Verletzungen oder Gelenkbeschwerden eine Rolle. Es gibt hervorragende Weltklassepädagogen, die die meiste Zeit des Unterrichts im Sitzen verbringen. Doch achten Sie auf ein wichtiges Indiz: wie sehen die Arm- und Kopfbewegungen aus? Diese sind ein ziemlich sicheres Merkmal (siehe Kapitel Balletttechnik auf dieser Seite) für eine gute Schule (übrigens auch die Arm- und Kopfhaltungen der Schüler). Diese Qualität hat nämlich nichts mit besonderen körperlichen Begabungen zu tun. In der professionellen Tanzwelt gilt: an guten Armen und Köpfen ist eine gute Schule erkennbar. Fest steht: ein Lehrer sollte demonstrieren und erklären können, was er von seinen Zöglingen erwartet. Jedoch sind herausragende tänzerische Leistungen eines Lehrers leider absolut kein Garant für eine hohe Unterrichtsqualität. Es gibt fantastische Tänzer, die sich schlicht und ergreifend nicht zum Lehrer eignen und sich z. B. nicht in einen Hobby- Schüler hineinversetzen können oder wollen, der so elementare Probleme hat wie seine Füße zu strecken o. ä.
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